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Rem-Stiftungsmuseen: In Mannheim ist Philipp Klein Aufgetaucht!

Philipp Klein, Lever de soleil sur le Chiemsee Sonnenaufgang am Chiemsee, 1893 © Inselgalerie Gailer GbR

In Mannheim ist die Wiederentdeckung des deutschen impressionistischen Malers Philipp Klein in Aufgetaucht! nach langer Vergessenheit ein Ereignis.

Der mit 36 Jahren verstorbene Philipp Klein (1871-1907) ist eine der großen Figuren des deutschen Impressionismus, eines vielförmigen und begeisternden Kontinents. In einem Rundgang ausgestellt, der wie ein permanenter Dialog zwischen chronologischen und thematischen Aspekten aufgebaut ist, ist Vor der Redoute (1906) hierfür eine hervorragende Illustration. Auf diesem Gemälde, das bei der 7. Biennale von Venedig präsentiert wurde, sieht man drei Frauen, die sich für einen Maskenball anziehen. Von einer starken erotischen Kraft durchdrungen (die enthüllte Brust der zentralen Figur wird von den Spitzenrüschen ihres Kleides eingerahmt), zeigt diese Komposition eine intime Zeremonie, installiert eine starke narrative Spannung zwischen Enthüllung und Verschleierung. Der Zuschauer verwandelt sich in der Tat in einen Voyeur, wohnt einem Saineten bei, in dem, voller Delikatesse, Luxus, Ruhe und Lust aufeinandertreffen. Sein Autor – dessen Werke neben jenen von Kandinsky oder Munch hingen – hatte zu seinen Lebzeiten großen Erfolg: Ganz im Gegensatz zu Lovis Corinth, Max Liebermann oder Max Slevogt, dennoch ist er heute vergessen. Anhand von rund hundert Gemälden, Zeichnungen und Gravuren – darunter die Hälfte von Künstlern aus seinem näheren Umfeld – wird ihm Gerechtigkeit zuteil.


Von Anfang seiner Karriere an zeigt sich Philipp Klein als ein Meister des Lichts und der Farben: Davon zeugt zum Beispiel Sonnenaufgang am Chiemsee (1893), ein subtiles Farbspiel, das an eine Begegnung an den Ufern eines bayrischen Sees erinnert, von der Ikone von Monet Impression. Soleil levant (1872) und den unscharfen Ölgemälden von Turner. Wenn man seine Landschaften mag – mehrere Ansichten der Strände von Viareggio, die 1906 gemalt wurden sind von großer Anmut – verführen die Portraits noch mehr. Man denke an Mann beim Bade (1899) wo er (zweifelsohne) Lovis Corinth zeigt, der aus den Wogen steigt, mit geschlossenen Augen und dem Mund zu einer komischen Grimasse geöffnet: Eine besondere Vision, die ihrer Zeit voraus ist, denn er fängt den Moment mit Finesse ein, so als ob ein „Standbild“ aufgenommen würde. Ob er die Tänzerin Jane Avril (1898), oder die Sängerin Yvette Guilbert (1898) darstellt – indem er die Codes der Kabarett-Plakate in sehr glamouröser Version übernimmt – oder eine anonyme Dame mit Hund (1901), in einem sehr schicken weißen Kleid, er inszeniert mächtige Frauen mit starkem Charakter, die in der Kunst einen immer größeren Platz einnehmen. Während er so seine Freundin Lotte von Marcard auf majestätische Weise abbildet – Dame mit Rosen (1904) –, unterstreicht die Ausstellung auch, dass sie eine der großen Kreativen war (ein wunderbares Blumenstillleben um 1920), ebenso wie Paula Modersohn-Becker deren Worpsweder Landschaft mit rotem Haus (1899) in ihrem Aufbau von erstaunlicher Modernität ist. 


In den rem-Stiftungsmuseen (Mannheim)  bis zum 6. April
rem-mannheim.de

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