Die Staatlichen Schlösser und Gärten im Zeichen der Liebe

Schloss Solitude, Stuttgart, Schlafzimmer © Günther Bayerl

In diesem Jahr steht die Saison der Staatlichen Schlösser und Gärten im Zeichen von Liebe, Lust und Leidenschaft, drei Worten, die eine vielförmige Realität zusammenfassen.

Die Staatlichen Schlösser und Gärten, die mehr als sechzig außergewöhnliche Orte in Baden-Württemberg – Schlösser, Gärten, Klöster und andere Schmuckstücke –, verwalten, präsentieren jedes Jahr ein Programm rund um ein gemeinsames Thema. Nach der Exotik im Jahr 2021 konzentriert sich der Jahrgang 2022 auf vierzehn Orte mit dem Thema Liebe, Lust und Leidenschaft: Es geht darum, die vielfältigen Bedeutungen dieser Begriffe zu erkunden. In der Frühen Neuzeit war die Vernunft-Heirat die Norm, Love-Stories waren Ausnahmen. Eine schöne Gelegenheit jene zu feiern, die Elisabeth Stuart und ihren Ehemann, den Kürfürsten Friedrich V. vereinte, die am Valentinstag 1613 heirateten, dreizehn Kinder hatten und zärtliche Momente im Heidelberger Schloss verbrachten. Um sich an sie zu erinnern, wird dessen Hof zum Openairkino, wo Klassiker des Genres projiziert werden (20.08.-03.09.). In den sinnlichen Dekors, in denen Statuen von nackten und sinnlichen Göttinnen und erotische Barock-Fresken aus dem Boden sprießen, entspannten sich auch verbotene Liebschaften: Im Laufe der Gebäude entdeckt man den Einfluss von Mätressen und Favoritinnen, wie zum Beispiel Franziska von Hohenheim (1748-1811), deren Geist noch durch die Rokoko-Galerien von Schloss Solitude in Stuttgart schwebt. Die körperliche Liebe ist das eine… Die spirituelle Begeisterung für Gott ist eine andere. Im Schloss Favorite in Rastatt, das von Johann Michael Schweyckert in einem englischen Stil kreiert wurde, ließ die Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden (1675-1733) – begierig nach Freuden hatte sie die Gastronomie in den Rang der Schönen Künste erhoben – eine Ermitage vom Architekten Michael Ludwig Rohrer errichten. Einen Steinwurf vom Prunk des Schlosses entfernt, erlaubte ihr dieses kleine Gebäude mit mystischer Atmosphäre die Freuden der Askese zu genießen.

Schloss Schwetzingen, Park © Achim Mende

Einer dritten Achse der Erkundung der Leidenschaften werden die Besucher in einen Strudel des materielleren Verlangens nach Objekten mitgerissen, zum Beispiel mit zahlreichen Kabinetten, die der Kunst oder naturhistorischen Themen gewidmet sind, wie jenes im Neuen Schloss Meersburg, das die unglaubliche Sammlung exotischer Muscheln des Fürstbistums Konstanz beherbergt. In entsprechender Weise werden die anderen aristokratischen Leidenschaften beschrieben, sei es jene für die Gärten – insbesondere die wundervollen von Schloss Schwetzingen, die von zwei der größten Landschaftsarchitekten des 18. Jahrhunderts, Nicolas de Pigage und Friedrich Ludwig von Sckell kreiert wurden – oder die Jagd… Ein Teil des Klosters Bebenhausen wurde so im 19. Jahrhundert von den Grafen von Württemberg in einen Ort verwandelt, der Schauplatz von un glaublichen Szenen war, wie jener Jagd von 1812, die 832 Tiere vereinte. 


Im Netzwerk der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg bis zum Jahresende
schloesser-und-gaerten.de

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