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Im Kopf von Pascal Bastien mit Tu gères la fougère

© Pascal Bastien

 

Anhand von 120 Bildern, enthüllt der Photograph Pascal Bastien sein Tagebuch mit Tu gères la fougère, einem Lob auf die Langsamkeit, voller Behutsamkeit.

In seinem Alltag als Photojournalist geht es bei Pascal Bastien ruckzuck. Knips. Die Ereignisse werden im Schnellflug aufgenommen und in der gleichen Bewegung an Libération, La Repubblica, Le Temps übermittelt… Seit 2012 komponiert unser Mann parallel dazu ein Tagebuch in Bildern. Ein notwendiges Gleichgewicht. Der Schnelligkeit seines Berufs stellt er die Langsamkeit gegenüber, auf die Farbe antwortet das Schwarz-Weiß, auf das Digitale die Analogphotographie einer Rolleiflex, während aus Menge, Raritäten werden: „Ich benutze ungefähr hundert Filme mit zwölf Belichtungen pro Jahr. In der Welt von heute ist das fast nichts. Es ist eine Rückkehr zu den Ursprüngen, zu etwas Handwerklichem mit seinen Überraschungen und Unfällen. Wie im Leben“, vertraut er uns mit einem Lächeln an. Seit einigen Jahren veröffentlicht – mit aktuell fünf Bänden – untersucht dieses Tagebuch-Werk die Beziehung zwischen Text / Bild – nicht erstaunlich für eine ehemaligen Schüler von Claude Lapointe an der École des Arts déco de Strasbourg. Mit Raymond Depardon in Le Désert américain als Vorbild, fügt er der Photographie in der Tat einige Sätze hinzu, was einen graphischen Roman erzeugt: Weder Legende noch Kommentar, handelt es sich eher um einen oft poetischen Ausflug, der Fragen aufwirft, die sich viele von uns stellen – rund um Liebe, Trauer, Pubertät, das Leben mit fünfzig Jahren, etc. –, fern jedes „Egotrips“. 


In thematischen Gruppen in La Filature ausgestellt, werden die Aufnahmen ohne jegliche Lexikologie präsentiert, selbst wenn eine „Lese-Ecke“ installiert wurde, in der man die Werke frei konsultieren kann. So wird eine Erzählung geschaffen, die sich von jener unterscheidet, die in den Büchern am Werk ist, zutiefst poetisch und voller Humor. Pascal fängt Momente des Lebens ein. Ein Mann und eine Frau auf den zerknitterten Laken eines anonymen Bettes, in irgendeinem Hotelzimmer. Eine alte Dame, die verschmitzt, den Hanswurst spielt, was an die Worte von Louis-René des Forêts in Ostinato erinnert: „Auf dass die Stimme des Kindes in ihr nie schweige, auf dass sie falle wie ein Geschenk des Himmels, das den ausgetrockneten Worten ihr Lachen schenkt, das Salz ihrer Tränen, ihre allmächtige Wildheit.“ Jugendliche, die in einem ewigen Frühling erstarrt sind. Die Traurigkeit eines Paares, das sich trennt, die sich an Kleinigkeiten zeigt, einer progressiven Verschiebung des Begehrens zur Leere. Erinnerungen in Überhand, konzentriert in der Melancholie eines Blicks. Das ist seine Existenz. Auch die unsrige, natürlich. Der Photograph ist kein Anhänger des „entscheidenden Moments“ eines Cartier-Bresson – der darin besteht eine Bewegung im idealen Moment einzufangen. Er nähert sich eher der Vision eines Robert Frank und scheint in seinen Aufnahmen das manchmal mit Schmerz gestreifte Glück herauszukristallisieren auf der Welt zu sein. 


In der Galerie der Filature (Mulhouse) bis zum 1. März
lafilature.orgpascalbastien.com

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