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Eine breitgefächerte Retrospektive zu Geoffrey Bawa im Vitra Design Museum

Portail d'entrée avec meules renversées Eingangsportal mit umgedrehten Schleifsteinen, Maison pour Haus für Osmund & Ena de Silva, Colombo, Sri Lanka. Photo: Iwan Baan, 2026 © Iwan Baan

Eine Architektur für die Sinne: Das war die Philosophie von Geoffrey Bawa. Eine sehr komplette Retrospektive, mit rund 250 Ausstellungsstücken wird dem Sri-Lanker im Vitra Design Museum gewidmet.

Lange unter dem einzigen Prisma des „tropischen Modernismus“ betrachtet, fügt sich die Kunst von Geoffrey Bawa (1919-2003) in eine breitere Dimension ein, da er sich gegen Klassifizierungen weigerte. Das zeigt eine begeisternde Präsentation, die Zeichnungen, Modelle, Möbel, Filme und Photographien von Iwan Baan vereint, die die Seele der verschiedenen Gebäude wiedergeben. Der große Architekt wird in einem Land geboren, das noch Ceylon heißt, entzieht sich nach und nach den Einflüssen des westlichen Modernismus, der noch in seinen ersten Realisierungen wie der St. Thomas’ Preparatory School (1957-63) wahrnehmbar ist. In vier Teilen organisiert, erlaubt es der Rundgang in einem ersten Raum seine beiden persönlichsten Projekte zu entdecken: Sein Landhaus, das Anwesen Lunuganga – am Ufer des Dedduwa-Sees in Bentota – das er seit dem Kauf im Jahr 1948 ohne Unterlass verändert hat, womit er aus ihm sein Experimentierfeld machte und seinen Wohnsitz in Colombo, das „Number 11“. Als Ko-Kuratorin der Ausstellung ist Shavari de Silva „fasziniert von der Art und Weise wie sich das Licht durch das Haus bewegt. Loggien, Innenhöfe und Oberlichter wirken wie eine Art gemeinsame Sonnenuhr und lassen im Laufe des Tages immer wieder andere Räume hervortreten.“ Hier entfaltet sich die stilistische Grammatik des Sri-Lankers: Das Handwerk und lokale Materialien mit den Möglichkeiten der industriellen Herstellung zu verbinden, den Raum zu berücksichtigen und dabei die Natur in allen ihren Dimensionen zu integrieren (Topographie, Klima, etc.), in der räumlichen Erzählung, die das Gebäude vermittelt.


In den folgenden Kapiteln entfaltet sich der Kontext, in dem sich Geoffrey Bawa entwickelt hat – er machte aus dem Mangel eine Triebfeder für seine Kreation, in den schwierigen Zeiten nach der Unabhängigkeit – und die kollaborative Dimension seines Korpus, ob mit der Textildesignerin Barbara Sansoni und dem Bildhauer Laki Senanayake oder mit Ateliers, die in Form einer sozialen Initiative organisiert sind. Und schließlich wird die Beziehung des Architekten und frühen Umweltschützers zur Natur erkundet: Das Kandalama Hotel in Dambulla, das aus dem Wald aufzutauchen scheint, so als ob es seine natürliche Verlängerung darstellte, wurde so in Harmonie mit der Umgebung erbaut – in der Eingangshalle sind Felsen integraler Bestandteil der Struktur – ebenso wie das administrative Gebäude der Ceylon Steel Corporation in Oruwala, das mit unendlicher Behutsamkeit über einem See liegt. In einer Vision, die seiner Zeit weit voraus war, stellte der Architekt natürliche und künstliche Elemente auf eine selbe Stufe…


Im Vitra Design Museum (Weil am Rhein) bis 28. Februar 2027
design-museum.de – geoffreybawa.com

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