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Die Photographie der Kolonialzeit in der Kunst im Museum Rietberg in Zürich

Omar Victor Diop & Lee Shulman, The Anonymous Project presents: Being There 54, 2023 © Omar Victor Diop & Lee Shulman, courtesy the artists and Galerie MAGNIN-A

In Zürich interessiert sich Fast ein Paradies für Kolonialzeitliche Fotografie in der Gegenwartskunst und trägt dazu bei Vorstellungswelten zu dekonstruieren. 

Hunderte Photographien. In Afrika, Asien, etc. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aufgenommen, sind sie kaleidoskopartige Spiegelbilder der verschiedenen Systeme der kolonialen Beherrschung. Dieses Ensemble, das zu den Sammlungen des Museums Rietberg gehört, spinnt einen Ariadnefaden durch die vier Abteilungen einer Ausstellung, in der 20 zeitgenössische Künstler sich, jeder auf seine Weise, alte Bilder aneignen, wobei sie Fragmente einer oft schmerzlichen Geschichte benutzen, um neue Erzählungen zu erzeugen. In einem ersten Teil mit dem Titel Formwandler*innen verleihen einige verborgenen Erinnerungen neues Leben, wie Dinh Q. Lê. Für Crossing the Farther Shore (2014), hat der Vietnamese bündelweise anonyme Aufnahmen auf dem Trödel erworben, die zum Großteil vor 1975 aufgenommen wurden, wodurch sie ein riesiges imaginäres Familienalbum bilden: Portraits, Landschaften, Feste, etc. Indem er sie in zerbrechlichen quaderförmigen Strukturen versammelt, die an Altäre erinnern, bietet er ein seltenes Zeugnis des Lebens in Südvietnam vor seiner Auslöschung durch das kommunistische Regime.


In einem zweiten Teil – Konfrontation – sind die Bilder in einem Prozess (wieder)bearbeitet, den man als auch Akt des Widerstandes ansehen kann: Mit der wunderbaren Serie Being There (2023), zum Beispiel, hat der Regisseur Lee Shulman, Gründer von The Anonymous Project – eine Sammlung von Diapositiven in Farbe, die von Laien zwischen dem Ende der 1930er und Mitte der 1980er Jahre aufgenommen wurden – Omar Victor Diop angeboten sich in amerikanischen Szenen der fünfziger und sechziger Jahre einzunisten. In einer Zeit, in der die Segregation herrschte, sieht man den senegalesischen Künstler in 100% weißen Universen: Am einengenden Mittagstisch der middle class, wo er mit Nonchalance eine Zigarette raucht, bei einem diner, in Begleitung von Teenagern, die Hawaihemden- und Ketten tragen, bei der Zeugnisübergabe irgendeiner Universität… Dimakatso Mathopa (Südafrika) seinerseits benutzt Cyanotypien um den kolonialen Blick auf den Körper von rassisierten Frauen zu dekonstruieren mit Individual Beings (Moving VI) (2023-24). In den beiden letzten Kapiteln – Fürsorge und In the Photo Fantastic – entfaltet sich ein Prozess der Heilung, der daran glauben lässt, dass ein Paradies greifbar ist, wie beim Franzosen Raphaël Barontini, der den westlichen Blick in The Golden Ladies (2026) umkehrt, oder der Amerikanerin Andrea Chung. Sie hat den afro-futuristischen Mythos von Drexciya geschaffen, einem Unterwasser-Eden tief im Atlantik, das von schwangeren Frauen gegründet wurde, die von den Schiffen der Sklavenhändler über Bord geworfen wurden…


Im Museum Rietberg (Zürich) bis 6. September
rietberg.ch

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